Vor dem Schlafen gehen, machen wir eine letzte Runde durch das Music Cafe. Die Live-Musik ist laut, die Leute sind vergnügt, tanzen und lachen. Wir wühlen uns durch die Menschen. Plötzlich werde ich angelächelt, sie kommt rüber, nimmt meine Hand und führt mich und Pat zu ihrem Platz, zeigt auf 2 leere Barhocker. Wir setzten uns vorsichtig und stellen uns mit Namen vor. Mit einer wundervollen Melodie sagt sie ihren in die Länge gezogenen einfachen Namen, sie heißt Saaaa. Der Name gefällt uns auf Anhieb, so wie sie ihn ausspricht, klingt das wie ein Kind, was seine Suppe nicht essen will. Saaaa trägt dunkle Jeans und einen kurzärmligen dunkelblauen Pulli, Ihre Freundin, ebenfalls in dunklen Jeans, mit rotem Top, heißt Tick und sie kann kein Englisch, ist gerade erst nach Bangkok gezogen. Wir stoßen an, ich frage was sie denn trinkt in dem Glas mit Eis, sieht aus wie Red Bull Wodka, stellt sich aber als Heineken-Bier raus. Saaaa steht ganz nah, ist an mich gelehnt. Ich fühle mich wohl  - und dieses Lächeln! Sie sind beide verdammt gut drauf, machen richtig Party. Pat und ich freuen uns Gesellschaft zu haben, doch sind wir sehr skeptisch. „Meinst du, sie sind Professionelle?“-“Ich weiß nicht, sie trinken ja, Professionelle lassen sich bestimmt nur einladen“ - „Aber alle in Patpong verkaufen sich und der Laden ist voll von berufstätigen Frauen“-“Ich weiß auch nicht. Pass auf dein Geld auf und lass deinen Drink nicht unbeobachtet“. Ach wie herrlich, wir können vor ihnen Männergespräche führen und sie verstehen uns nicht.
Wir kommen uns näher. Ich berühre Saaaas Hand, streichle ihre sanfte braune Haut. Ich küsse die Finger, ihre Hand und ihren Arm, bin fasziniert von der perfekten weichen und getönten Haut. Ich schaue zu meinem sonst nicht schüchternen Kameraden, er weiß nicht, wie er sich an die nicht englisch sprechende Tick nähern soll. „Los, mach auch mal was!“ – Wie ein junger Köter, der aufs Wort seines Herrchen hört, greift Pat grinsend zu; mit einem Ruck zieht er sie, ihre Hüften rechts und links fest im Griff, zu sich rüber. Darauf hat sie gewartet, sie lacht, ist glücklich. Ihren fehlenden Wortschatz, weiß sie gut mit Mimik zu ersetzen und sie weiß, was sie will. Ihre spitze Zunge blitzt schnell und weit aus ihrem Mund, wie die einer Eidechse, als ob sie ihr Opfer vorsichtig mit der Zunge ertasten will. Eine süße Kussaufforderung, wie sonst unschuldige Teenager sich zum ersten Mal nähern. Pat spielt mit, seine Zunge kriecht vorsichtig und verlegen, wie eine Schnecke, über seine Lippen. Die Zungen berühren und schmecken sich und verschwinden wieder. Bevor ich das Spiel weiter verfolgen kann, eröffnet sich die Frage, ob wir einen Drink ausgeben. Ständig skeptisch darauf wartend, wann der Traum vorbei ist, wann plötzlich die Karten auf dem Tisch liegen, die Wirklichkeit. Warum sollten sie sich sonst mit uns beschäftigen, wenn nichts rausspringt für sie? Vielleicht aus Spaß? Oder sind das Trinkanimierdamen? Wir geben schließlich eine Runde aus. Pat bezahlt und legt den 500 Baht Schein auf die Theke. Als die 40 Baht Wechselgeld zurückkommen, winken die Mädels großzügig unser Geld weg, Pat jedoch kann sich zum Glück flink das Geld schnappen und mit einer Münze austauschen. Wir waren schon wieder skeptisch. Warum gehen sie so großzügig mit unserem Geld um? Wir kuscheln ein wenig, die Frauen und wir sind betrunken. Sie wollen mit uns zu einer Disko gehen. Wir sind aufrichtig, so wie wir es auf der ganzen Reise versuchten und erzählen ihnen, dass wir nicht so viel Geld haben und wir sie nicht mehr einladen können. Die Frauen sind gut drauf und verstehen nicht wo das Problem ist. „OK, jeder zahlt für sich“-„Only have fun.“
Zum Glück nicht weit, gleich gegenüber vom Music Cafe befindet sich das Paladium. Wir kaufen uns alle Bier. Die Disko ist relativ klein und auch nicht so voll, aber wir waren gut drauf. Die Frauen geben uns Schnäpse aus und wir wissen nun endlich, sie wollen wirklich auch nur Spaß. Scheiß Vorurteile. Die Thailänder feiern gerne und sie kümmert sich nicht um Geld. Gewissenslose Investierung in ineffektive Rauschmittel, um es mal klar zu sagen. Welch ein Wunder, dass uns niemand rausschmeißt, wir lassen echt die Sau raus, küssen und tanzen. Tick hüpft leidenschaftlich auf Pat rum, der auf einem Barhocker sitzt. Saaaa drücke ich an die Spiegelsäule mitten auf der Tanzfläche und sie küsst mich wild. Manchmal denke ich mir, vielleicht ist das nur ein Traum und zwar ganz allein mein Traum, die Welt um mich eine unscharfe Gleichgültigkeit. Pat und ich lächeln uns zufrieden zu. Dann gehen wir oder werden wir doch rausgeschmissen?
Der Markt draußen ist schon längst verschwunden. Wir nehmen uns ein Taxi, ich weiß nicht wohin. Die Mädchen zahlen, wir stehen vor einem Tiefgaragen ähnlichen Gebäude, ein Block, könnte meine FH sein. Vor der Tür stehen Sicherheitsleute. Ob es Saaaa peinlich ist, zwei Farangs mitzunehmen ? Oder sind sie stolz auf uns? Mit einer Mischung aus Peinlichkeit und Stolz betreten wir das Gebäude. Alles sieht weiß aus, erinnert mich an ein Studentenwohnheim. Wir nehmen den Aufzug in den 4. Stock. Seltsam an welche Kleinigkeiten ich mich erinnern kann und welche Wichtigkeit ich vergaß, zum Beispiel das Alter unserer Freunde. Ihr Apartment besteht aus einem schätzungsweise 25 m² großen Raum und einem Bad. Weiße Wände, großes Bett in der Mitte, einen Fernseher, DVD-Player und ein Telefon, sonst ist alles sehr kahl und leer. Wir bekommen etwas zu trinken angeboten. Saaaa besteht darauf, dass wir einen extrem brutalen und realistischen Kriegsdokumentarfilm ansehen, damit wir wissen was böse ist. Als ob ich das nicht wüsste, ich versuche wegzuschauen so gut ich kann. Es werden in echt Menschen gefoltert und gequält, Details erspare ich mir. Daraus meine unsympathische Erkenntnis: Asiaten sind abgestumpfte Menschen, die auf blutige Brutalität stehen, wie zum Beispiel auch Thaiboxen oder sie sind einfach nur kindischer als wir und sehen alles nicht so eng. Unsere weiblichen Begleitungen telefonieren erst mal, während Pat und ich noch mal über die 77 % diskutieren (siehe Klong-Tour). Tick ist fertig mit ihrem Telefonat und fängt wild an mit Pat zu spielen. Saaaa telefoniert noch immer mit ihrem Freund der in England lebt und ihr regelmäßig Geld schickt. Sie sagt mit ihrem asiatischen Englisch folgendes:
„I never lie to you!“-Ich küsse ihre Hand – „I promise you, I love you” – Ihre Schultern, fühlen sich sanft unter meinen streichelnden Händen an – „I only want to have fun with my friends, we went to disco” Ich küsse ihre Füße, sie ist einfach nicht abzulenken. „Yes I am alone“ Und ihren Bauch küsse ich auch. „Honey, I am lonely, and thats my live, I can do what I want“. Pat turnte auf dem Bett, Tick war ziemlich fertig und rollte vom Bett, fiel auf dem Boden. Pat legt sich daneben. „And please, don´t send money again, I don´t need.” Nach einer Stunde ist das Gespräch nach England endlich beendet. Wir liegen auf dem Bett, sie erzählt mir alles über die Beziehung z.B. dass sie sich schon ein Jahr nicht mehr gesehen haben und er verdammt eifersüchtig ist. Ich sage ihr meine ehrliche Meinung von Beziehungen auf Entfernung. Ich kann da eigentlich nur bei einer Entfernung von 400 km mitreden, aber dennoch gebe ich ihr Rat. Sie sagt „good boy“ zu mir und dass sie mich mag. Was für einen Job sie hat, kann ich nicht wirklich herausfinden. Tick ist neben Pat auf dem Boden eingeschlafen, ob es an Pat oder am Alkohol lag, weiß ich nicht.

Manchmal behandelt Saaaa die Schlafende sehr grob, wie wir finden, schreit sie an, schlägt sie, doch Tick schläft weiter. Saaaa und ich reden weiter. Pat hört uns zu und gibt ab und zu blöde Kommentare von sich. „Are you lucky now?” frage ich Saaaa, sie antwortet „I am lucky” - ”I am lucky, too” sage ich. „I am lucky, three” höre ich neben dem Bett. Ich gestehe ihr, dass ich erst dachte sie wäre eine Prostituierte, sie sagt nur „I only want to have fun“. Ich schlafe gemütlich neben Saaaa ein.

OK es war nur 1 Stunde, dann war es hell und Pat weckt mich. Alle sehen fertig aus, keiner weiß mehr wer Thailänder und wer Deutscher ist und was geschah. Wir verlassen das Haus, gehen am Wachmann vorbei und wieder begleitet mich ein Gefühl von Peinlichkeit und Stolz. Sie bringen uns im strömenden Regen zu einem Taxi, kaufen vorher für uns Früchte ein, besorgen uns Regenschirme bei der Obstverkäuferin und sind echt lieb zu uns. Sie fragen, ob wir uns melden im Laufe des Tages, doch sie wissen nicht, dass wir längst ein Zugticket nach Chang Mai haben. Voller innerer versteckter Traurigkeit verabschieden wir uns. Wir reden im Taxi über die vergangene Nacht, welche erst unsere 2. Nacht in Thailand ist! Noch immer betrunken, zeigt mir Pat im Taxi seinen von Tick völlig zerkratzten Rücken.
Oh what a night!  
 

Das 328 m hohe Hotelhochhaus, auch Sky Hotel genannt, ist eine gute und vielleicht die einzige Möglichkeit Bangkok von oben zu sehen. Der Eintritt kostet 120 Baht, der gläserne Aufzug bringt uns mit kribbelnden Bauch rasend schnell nach oben auf die erste Plattform. Auf dieser Ebene stehen neben dem Miniaturmodell des Hochhauses, viele kitschige Dekorationen herum, vor, auf und in denen man sich fotografieren lassen kann. Zum Beispiel ein Tuk-Tuk bereitet uns Freude und wir stellen ein paar Szenen nach, die so auf der Straße jeden Tag stattfinden. ( Foto )

Es geht weiter nach oben über ein Treppenhaus zur nächsten Ebene und hier gehen wir auf Thailands höchstes Klo, das ist schon eine bemerkenswerte Tat, die ich nicht zu erwähnen vergessen darf. Wir wollen noch höher hinaus und begeben uns ganz nach oben, sind nun im Freien. Der heftige Wind stört mich nicht dabei die wunderschöne Aussicht zu genießen. Wir umkreisen den menschenverlassenen Turm. Nur ein Gitter und meine Moral halten mich davor ab zu fliegen. Wir sind so hoch, viel höher als alle anderen der vielen Hochhäuser. Ich versuche eine Stelle wiederzuerkennen, es gelingt mir nicht und es ist klar zu erkennen, dass Bangkok kein Stadtzentrum hat, es hört nicht auf, Bangkok ist überall bis zum Horizont. Die Sicht ist O.k., die grauen und dunklen Wolken unterstreichen das fade Stadtbild. Alles ist grau, die Straßen biegen sich durch die Stadt, wie Fäden in einem Webstuhl. ( Foto 1, Foto 2 ) Hier und da sehe ich sogar grüne Flächen, ob das Absicht ist oder Unkraut lässt sich von hier oben nicht erkennen. Die einige Millimeter großen Autos schieben sich bunt und lustig zwischen alle denkbaren Häuser. Kleine Hütten, die im Schatten von Wohnblocks versteckt sind und neben den protzigen Hochhäusern und Monsterbaustellen, um keinen Preis auffallen.
Wir genießen die Aussicht und unterhalten uns und kosten von den Früchten, die uns heute Morgen geschenkt wurden.
Wieder unten, vom Baiyoke II Tower fragen wir uns zum Pantip Plaza durch. Unser Weg führt uns eine Straße entlang, überall sind Läden, dann geht’s in eine schmale Gasse. Die Gasse ist nur 2-3m breit, doch hier tobt das Leben. Kleine Menschen pressen sich durch die enge Gasse, wie weiße Blutkörperchen sich durch Adern quetschen. Ich bin ein Kopf größer als die anderen (nur Thailänder), habe die Übersicht und bade in einem Meer aus Köpfen. ( Foto 1, Foto 2, Foto 3 ) Hier gibt es hauptsächlich Kleidung zu kaufen, wie auf einem Bazar. Viele Stände und verkramte Läden Und gerade denke ich noch über die Fülle von Menschen nach, da drängt sich doch echt noch ein Motorrad die Gasse entlang. Und die Leute schimpfen nicht einmal. Man stelle sich das mal in Deutschland vor. Plötzlich lichtet sich die Menge, ich schau zu Boden, ein kranker armer Mann, liegt dort mit zerfetzter Kleidung, eine Hand streckt er bettelnd entgegen, mit der anderen Hand krallt er sich am Boden fest, um sich wie ein krankes Tier kriechend fortzubewegen. Alle laufen wie wir einen Bogen um den erbärmlichen Anblick der Realität. Als wir dann endlich aus dem stressigen, aber nicht aggressiven Trubel raus sind, stehen wir auch schon vor dem Pantip Plaza. Das Shopping-Mall für Computer und Elektronik Artikel. In dem mehrstöckigen Gebäude gibt’s Fernseher, Handys, Software, Kopfhörer, CDs und einen KFC, wo wir dann auch essen gehen.  
 

Zugfahrt nach Chang Mai. Zauberer und Alpträume
Ein Tag zuvor kauften wir uns bei der Bangkok Railway Station „Hualamphong“ ein Ticket nach Chang Mai am öffentlichen Ticketschalter. Am Bahnhof gibt es auch unzählige „official touristsinformations“, die den Reisenden schon beim Betreten des Bahnhofs abfangen und „super“ Reiseangebote anbieten. Wir kaufen unser Ticket lieber am Schalter.
Am Schalter erhält man Tickets für reservierte Sitze. Es kann zwischen normalen Wagen und Schlafwagen entschieden werden, letzteres entweder mit Ventilator oder mit Klimaanlage. Das Bett oben oder unten. Unser Zug fährt um 19:40 Uhr und sollte um 9:05 Uhr ankommen( kam aber um 10:30 Uhr an). ( Foto ) Unsere zwei Tickets kosten 1050 Baht zusammen. Der Bahnhof, geschmückt mit dem großen Wandbild des Königs, bietet viele Sitzgelegenheiten und macht einen ordentlichen Eindruck auf mich. Wir sind viel zu früh dran, essen was im KFC und kaufen in einer der Supermärkte noch Trinken und Snacks für die Reise ein. Es tummeln sich viele Leute rum, mehr Einwohner als Touristen. Wir sehen so manche Farang-Thai Paare, die sich hier trennen. Überrascht sehen wir, dass unser Zug schon da ist, eine Stunde vor Abfahrt. Der Zug macht von außen einen soliden Eindruck und sieht in seiner silbernen Verkleidung bei der schimmernden Bahnhofsbeleuchtung eigentlich recht gut aus. Pat fällt auf, dass die Gleise schmaler sind als in Deutschland. An den Bahnsteigen sind Stände aufgebaut an denen Zeitschriften und Gegrilltes angeboten wird, das vermischt mit den schwarzen Wolken der laufenden Zugmotoren ergibt einen ätzenden Gestank, der zum zeitigen Einsteigen zwingt.
Wieder einmal habe ich mir so einen Schlafwagen anders vorgestellt, ich kenn das doch aus dem Fernsehen. Schon erstaunlich wie man sich alles immer anders vorstellt: Bangkok dreckiger, die Inseln einsamer und auch du wirst, wie viel Mühe ich mir auch mit dem Schreiben geben mag, ein anderes Bild haben, als es wirklich ist. Nun gut, zurück zum schätzungsweise 3m breiten Schlafwagen. Noch ist nichts von „Schlafen“ und Betten zu sehen. Rechts und links an den Fenstern sind zwei Sitze gegenüberliegend. Die zwei Sitze zusammengeschoben ergeben ein Bett. Bett Nr.2 ist noch versteckt über unseren Köpfen in einem Fach. Im Gang an der Decke befinden sich die kreisenden, sich immer drehenden Ventilatoren. Sobald ich den blasenden Wind spüre, meine Haare dann wehen und mein Gesicht kitzelt, merke ich wie störend so ein Ventilator sein kann, vor allem wenn es gar nicht heiß ist. Mit einer regelmäßigen Handbewegung fixiere ich meine Haarsträhnen hinter meinem Ohr bis zum nächsten plumpen Windstoß. Auf dem Gang sind Metallstangenkonstruktionen befestigt, Gepäckträger und Leiter in einem. ( Foto ) Der Zug poltert pünktlich los und durch Bangkoks ärmste Häusersiedlungen. Unser Fenster wird zum Dokumentarfilm über das Leben in den unmittelbar neben dem Gleis stehenden Hütten, die beim Poltern des Zuges umzufallen scheinen. Manche haben keine Wände, wir können in Wohnzimmer schauen, manche Jungs winken uns zu während sie an ihrem Mofa schrauben. Kinder spielen im Müll, Hunde bellen und Frauen stricken. Wir haben einen guten Service im Zug, nette in pink Uniformierte bieten uns Getränke an und fragen, ob wir ein Abendessen ( 150 Baht ) oder ein Frühstück ( 80 Baht) bestellen wollen. Wir sagen ab und werden uns von den Müsliriegeln ernähren, die wir noch aus Deutschland haben und eigentlich die für den Flug gedacht waren. Der Zug fährt eine Stunde oder länger kreisend in Spiralform durch Bangkok, hält ab und zu mal im „Nichts“ an. Thailänder steigen mit viel eingekaufter Ware ein, vermutlich auf dem Weg nach Hause. In unserem Wagen sind Touristen. Neben uns 2 aus Holland, hinter uns Franzosen, vor uns Engländer und alle werden wir die Nacht gemeinsam verbringen. Pat und ich lesen im Reiseführer und suchen uns ein Hotel in Chang Mai raus.

Um 22 Uhr betritt ein Zauberer den Wagen, er vermag es unsere Betten hervorzuzaubern. ( Foto ) Mit Mundschutz geschmückt, klappt, schiebt und bezieht er unsere frischen Betten. Nur noch den schweren blauen Vorhang rangehängt, schon sind unsere Höhlen fertig. Ich begebe mich aufs schaukelnde Klo und bin erschreckt von den vielen Mücken hier, Putze meine Zähne und überprüfe skeptisch meine Arme und Beine. Pat raucht noch eine, steht am Ende unseres Wagens und blickt aus den offenen Türen, die während der Fahrt weit aufstehen. Warum sind eigentlich Moskitonetze an den Fenstern angebracht? Ich entscheide mich für das obere Bett, krieche hinauf. Es ist wenig Platz, doch es ist gemütlich. Die längliche Lampe an der Decke blendet mich und wird auch die Nacht über scheinen und Mücken anlocken. Ja ich bekam einige (ca 5-10)Mückenstiche trotz Autan. Die Nacht ist aufregend, ich träume von Zugunglücken, denn ich und der Zug wurden hin und her geschmissen. Der Zug hupt sich durch die Nacht, als wimmelt es nur so von stehenden Lkws auf den Gleisen. Auch die Vollbremsungen formen meinen tiefen Schlaf. Warum springt der Zug eigentlich so? Ob das an den schmalen Schienen liegt? Und was sind das für grausame mechanische schreiende Geräusche? Kein Wunder, dass die Menschen sich vor den ersten Eisenbahnen fürchteten. Ich hüpfe und schlafe und werde um 7 Uhr geweckt. Der Zauberer erscheint wieder und zaubert mein Bett weg, mir gegenüber sitzt plötzlich wieder Pat, der erzählt, er habe von Zugunglücken geträumt. Alle frühstücken, wir essen Müsliriegel.
Die Sonne scheint und die schöne Natur strömt bewegungsunscharf an uns vorbei. Reisplantagen und Dschungel, Täler und Berge, manchmal ein Bauernhof. Das Hüpfen nimmt ab und wir landen mit unserem silbernen Dämonen in Chang Mai und haben wieder einmal überlebt. Menschen strömen aus dem Zug und haben alle den Anschein, als wüsste jeder wohin, nur wir nicht. Wir nehmen einer der letzten Tuk-Tuks, die die Horde zurückgelassen haben für 40 Baht (20 Baht normalerweise) und hätten gerne ein Bett im Eagles House II, welches einen guten Ruf hat. Leider einen zu guten, es ist ausgebucht. Wir lassen das Tuk-Tuk zurück, laufen mit Gepäck und schauen uns um. Das VK Guest House sieht O.K. aus, Doppelzimmer kostet 140 Baht, wir entscheiden uns aber doch fürs Daret´s House um die Ecke, weil es dort auch gleich ein Restaurant gibt mit viel Auswahl.
Außerdem hat das Hotel eine gute Lage, nicht weit von den Kneipen. Einige Meter weiter ist die Diskothek „New Illussion“, dort spielt Live-Musik. In der anderen Richtung ist das „Gawila Boxing Stadium“, hier findet jeden Abend Thai-Boxen statt, sowie Transvestiten-Shows, drum herum sind Billardtische und jede Menge Bars gebaut.
 

Chang Mai
Um 7 Uhr stehen wir auf und freuen uns auf unsere Trekking Tour. Um 8:30 Uhr werden wir von einem Mini Bus an unserem Hotel abgeholt. Wir sind die ersten und holen gemeinsam den Rest unserer Reisegruppen ab, mit denen wir den heutigen Tag erleben werden. Normalerweise werden ja drei Tages Trekking Touren gebucht, da es sich mehr lohnt und man nur so wirklich ins Landesinnere kommt. Warum wirst du dich jetzt fragen, entschieden wir uns für einen Tag? Wir hörten von Regen, Schlamm, Blutegel und Malaria. Dazu kommt noch, dass unsere beider Neugier, was Dschungel betrifft, schon von Indien/Malaysia gedeckt ist. Es wären weitere drei Tage unseres kostbaren Urlaubs. Obwohl wir erst angekommen sind, habe ich jetzt schon Angst wieder weg zu müssen. Wir sparen uns lieber die Tage für ähmm, wer weiß und genießen die Freiheit uns keiner Gruppe anschließen zu müssen. Nun wäre das also geklärt. Die 10 Sitze unseres Minibusses sind bald alle besetzt. Einen Fahrer, zwei Reiseleiter und sieben faule Reisende, die keinen Bock auf eine längere Tour haben. Wir gehören dazu und sind die einzigen Männer an Board der bequemen Fraktion. Wir fahren um, durch und weg von Chang Mai und es sieht alles größer aus, als ich mir das vorgestellt hatte. Um die ewige Fahrt auszunutzen, schlafe ich so gut es geht sabbernd im Sitzen. Der erste Halt ist das Elefantenlager. Schon auf der Straße sieht man die grauen Riesen, die gerade gefüttert werden und das Heu einem Pick Up von der Ladefläche fressen. Die breite geteerte Bergstraße ist einerseits durch Dschungel und Berge begrenzt und auf der anderen Seite ist ein Fluss und wieder Dschungel. Wir steigen aus, werden zu einer Art Steg geführt. Ein Steg an dem sicher kein Boot anlegen wird, nein, es wartet schon ein Elefant auf uns, der uns mit seinen windfächernden Ohren begrüßt. Oder habe ich mir das eingebildet? Der arme Elefant, ich soll ihn jetzt besteigen. Das Bild scheint eingefroren, ich blicke auf den starken Rücken des Benjamin Blümchen. Mit dem groben Profil meiner Trekkingschuhe soll ich auf ihn treten, wie ich es sonst auf sandigen Bergwegen tue? Ich zögere, dann tue ich es, denn seine Haut sieht eigentlich aus, wie die trockene Erde auf Bergwegen. Ich trete auf seine Schulter in Richtung zu dem wackligen Gestell, was eine alte Kinderschaukel aus DDR-Zeiten sein könnte. Rostige eckige Metallstangen, als Sitzfläche: Äste, die unter mir knacksen und zusammenbrechen, doch ich sitze. Wir sitzen und reiten durch den Fluss.
„Yeah“, das ist cool, es schaukelt und wackelt. Es geht steil nach oben, doch auch das schafft er und wehe nicht, dann bekommt er von dem mit Ast bewaffneten Elefantenführer einen Schlag auf den Kopf. Wir halten uns fest, wissen nicht wohin mit unseren Füßen. Ach, was soll’s, stellen wir die Trekkingschuhe wieder auf seine Schultern, der Elefant scheint nichts zu fühlen. ( Foto ) Nach ungefähr 2, vielleicht auch 3 Minuten sagt Pat: „Eigentlich reicht’s jetzt schon wieder! Wie lange, sagte der Guide, reiten wir jetzt ?“-“Ich glaube, er sagte 30-40 Minuten.“ - “Oh nein, das kann noch dauern.“ - “Ja, ich würde auch lieber laufen.“ Doch wir gewöhnen uns dran, der Sitz hält, ab und zu bücken wir uns, damit die Bäume uns nicht vom Sattel hauen und beobachten traurig die ständigen Schläge auf dem vernarbten Kopf unseres treuen grauen Freundes. Elefanten werden so alt wie Menschen. Beim Elefantenreiten werden nur junge bis 25 genommen, erklärt man uns. Es kommen immer mehr „Reiter“ dazu, von allen Richtungen. Unser Convoy „morpht“ von einer kleinen Gruppe bequemer Abendteurer zu einer touristischen Massenkarawane und schon stehen wir im Stau, mitten im Dschungel und das wird sich auch für die restliche Tour selten ändern. Ein Thai-Fotograf hat sich mit seiner Spiegelreflex auf einen Berg gestellt und macht von jedem ein Foto. Nach rückenschmerzenden 40 Minuten steigen wir wieder ab und wandern durch den hellen Dschungel, auf Feldwegen, zwischen Reisplantagen und Bananenbäumen. Alles sehr schön, ich könnte so ewig wandern.
Die Aussicht ist toll, alles ist trocken, von Schlamm nichts zu sehen. Schlamm würde die steilen Wege sicherlich sehr rutschig machen. Wir erreichen, stets wandernd in der Touri Karawane, das Dorf „Meo Village“, also von einem einsamen Dorf kann nicht die Rede sein. 150 Einwohner und 30 Familien leben hier und versorgen sich selbst, doch sie sind auf Touristen angewiesen, brauchen Geld für Ärzte und um ihre Kinder in die Schule zu schicken. Es gibt ein Klo für 2 Baht, eine öffentliche Wohnhütte zur Besichtigung, Stände an denen es Tücher etc. zu kaufen gibt, doch leider kaufen nur wenige etwas. Die Bewohner lassen sich durch die fremden Menschen nicht stören. Eine Mutter spielt mit ihren Kindern und lässt sich auch gerne fotografieren. ( Foto 1 , Foto 2 ) Wirklich nah kommt man bei dem 15-Minuten-Besuch an die Bewohner jedoch nicht, gerade mal genügend Zeit um sich auszuruhen und zu trinken. Eigentlich irgendwie schade. Es geht weiter. Wir wandern 30 Minuten bis zu einem Parkplatz auf dem unser Bus wartet. Wir fahren 40 Minuten zu einer Häusersiedlung an einer Straße, hier ist Touristenfütterung angesagt. Wir nehmen in einer der Restaurants Platz, das Essen wird serviert und schmeckt gut. Der Fotograf vom Elefantenreiten kommt zu unserem Tisch und bietet das gemachte gelungene Foto mit Rahmen und Negativ für 100 Baht an. ( Foto ) Nach dem Essen geht’s per Auto und kurz zu Fuß zu einem weniger aufregenden Wasserfall. Trotz Warnungen vor Rutschgefahr, fällt jemand aus der Gruppe unsanft auf den glitschigen moosbedeckten Felsen. Wir werden in das ärmliche Dorf „Karen Village“ gefahren. Aus Brettern genagelte Häuser sind auf Stelzen gebaut und mit einem Dach aus Blättern bedeckt, welches jedes Jahr „renoviert“ werden muss. Schweine, Hunde und Hühner kreuzen unseren Weg. Von den 240 Bewohnern ist nicht so viel zu sehen. Unser Guide lebte hier einmal, kennt sich gut aus und redet mit dem einen oder anderen.
Wir besuchen eine 26-jährige junge Frau in einer Hütte mit offenen Wänden, die gerade arbeitet. Tücher webt, um sie zu verkaufen. Viele Elefantenmotive sind in den raffinierten Mustern abgebildet, die sie alle ohne Vorlage und Schablone macht. Die Frau hat all das im Kopf und welche Zukunft sie hat, kann ich vor mir sehen, als wir eine alte Frau besuchen. Auch sie webt und das schon ihr ganzes Leben. ( Foto ) Viele Bewohner „versüßen“ sich ihr Leben mit Opium und sind süchtig davon geworden „ihren Horizont zu erweitern“.
Unser nächster Stopp führt uns zum Bamboo Rafting. Auf Grund unserer gesammelten Erfahrungen aus Jack Wolfskin Katalogen, wissen wir natürlich, wie man sich auf so etwas vorbereitet. Wir schlüpfen in unsere Trekking Sandalen und kürzen unsere „ZipOff“-Hosen mit einem lässigen selbstverständlichen Zug am Reißverschluss. Wir sind bereit, lächeln mit kurzer Hose und werden von der Gruppe ausgelacht, da wir irgendwie zu professionell aussehen, denke ich mir. Es wird nass, wir lassen alle Wertsachen zurück. Unser neues Transportmittel besteht aus 9 aneinander befestigten Bambus Stangen, die in der Mitte so eine Art Bambus-Sitz haben. ( Foto ) Vorne, am vielleicht 10 m oder länger langem Floß steht unser Rudermann, auf dem Sitz sitze ich mit MaRtina (mit einem gerollten R) aus Italien. Für uns ist die langsame Fahrt auf dem seichten Dschungelfluss etwas wie Flitterwochen in Italien. Wir reden über Gott und die Welt und sitzen im Nassen, da das Floß halb unter Wasser steht. Habe ich noch was vergessen ? Ach ja, Pat. Pat muss auch rudern, steht hinten am anderen Ende des Floßes. Mit beiden Händen stößt er die lange Stange tief in das braune Wasser und verleiht dem Boot durch den Einsatz seines ganzen Körpergewichtes einen kleinen, wie soll ich sagen, „Rucker“ oder „Stößchen“. Manchmal höre ich ein „Uff“ und ein dumpfes Poltern. Der Blick nach hinten zu meinem Freund gibt mir ein auf dem Boot liegenden, erleichtert lächelnden Pat zurück. Leider habe ich es nicht gesehen, die Stange hatte sich im Boden verharkt, Pat überschlug sich 3 mal, sah sein Spiegelbild im Wasser unter sich schon höhnisch zurufen, wirbelte seine Ruderstange zitternd in die Luft und landete mit einem Purzelbaum (leider), irgendwie wieder, wie ein Wunder unversehrt, auf unserem Boot. Solche Stunts legte er noch öfters hinter meinem Rücken hin und sagte später immer: „Pfhh, das war knapp, zum Glück habt ihr es nicht gesehen!“ MaRtina gibt selber richtige Rafting-Touren in Italien und will unbedingt auch mal rudern und so wechseln sich die beiden beim Rudern ab und ich verspreche Pat, in meinem Reisebericht zu erwähnen, dass ICH mich vorm Rudern drückte und nicht mitruderte. Nach der lustigen halbstündigen Bootsfahrt, fahren wir im Minibus stundenlang zurück nach Chang Mai. Und eigentlich sind wir froh, nur einen Tag gebucht zu haben.

Fazit:
Es ist eine Illusion, dass man mit einer an jeder Ecke buchbaren Reise an die Wurzeln Thailands stößt, unberührt und weit weg vom Tourismus. Mit einer drei Tage Tour oder länger kommt man der Sache vielleicht schon näher. Die Dörfer, die man besucht, kriegen jeden Tag von Touristen Besuch. Ob, das nun gut oder schlecht ist, ist eine andere Sache.
In unserer Zeit im August, in der es normalerweise regnet, kann es sehr schlammig werden und Touren werden oft abgebrochen, bei uns war alles trocken.

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