Wir kommen zu spät zu unserer Verabredung, wir rufen an um uns zu entschuldigen. Jonas (Name wurde verändert) ist schon im „Biergarten“, einem deutschen Restaurant in der Sukhumvit Road Soi 7. „Der Biergarten läuft nicht weg“, war seine Antwort, „Ihr erkennt mich am Barett“. Wir legen auf, eine ewige Taxi-Diskussion beginnt, wir steigen ein, der Taxifahrer möchte uns zu einer Body Massage überreden. „No thanks, we have a date already“. „Eh, excuse me, what is a Body Massage?” frage ich ihn, soll er uns unterhalten, die Fahrt ist lang. „Massage and fucking girls“, sagte er, von Scheu keine Spur, „Is a body massage possible without sex?” frage ich ihn. „No always sex, oil massage and thai massage is without sex” klärt er uns auf.

Einige Minuten später mit gleichbleibenden niveauvollem Gespräch sind wir da, wissen nicht was uns erwartet, gehen in das Restaurant. Mädchen, Trinkanimier-Damen, kreischen uns willkommen, „handsome..“ Wir fühlen uns geehrt, gehen weiter nach hinten durch, dort sitzt er in der Ecke, Jonas, ein ehemaliger Kollege meines Vaters. „Hallo, ich bin Andi, das ist Pat, ist es O.k., wenn wir uns duzen?“ „Klar, setzt euch“, wir setzen uns. Er scheint Stammkunde zu sein, sämtliche Bedienungen lesen ihm Wünsche von seinen Lippen ab, die übrigens hervorragend Thai können. Wir bestellen „Schnitzel mit Pommes“ und Jonas sorgt dafür, dass die Bedienungen uns mit Bier versorgen. Jonas müsste so um die 60 sein, er ist kräftig, dick und trägt einen beigen Kombi-Anzug und ein grünes Barett mit dem deutschen Fallschirmjägerabzeichen. Also, einer von der harten Sorte. Er hat geschwollenwirkende dicke Unterarme, die von einer schweren glitzernden Edeluhr noch kräftiger wirken. Er steckt sich seine Zigarette an. „Hier ist mein Lieblingsplatz, hier habe ich die beste Übersicht über den Laden. Trinkt, wenn ich einlade, dann richtig.“ Unsere leeren Flaschen werden von der Bedienung ausgetauscht. „Sie ist was besonderes, mit ihr habe ich noch nicht gepennt.“, sagt Jonas ohne eine Miene zu verziehen und sein Gesicht hat Züge von Jack Nickelson´s Gesicht, denke ich mir. Er erzählt über Thailand. Seit 16 Jahren lebt er schon hier, arbeitet für Daimler Chrysler und das Militär. „Tragt eure Reisepässe immer am Körper, sie bringen auf dem Schwarzmarkt ein Vermögen und zählt euer Geld nicht in der Öffentlichkeit!“. Er demonstriert uns seine Taschenpacktechnik, in der linken Brusttasche die 100er, in der rechten die 500er, unten links die 20er usw.,- wir nicken. Gleich schräg hinter Jonas ist die Toilette, ständig schlendern junge hübsche Frauen dorthin und zurück und jede schenkt uns ihr bestes Lächeln. Willkommen in Thailand, denke ich mir. Jedes Mal, wenn eine dieser hübschen Frauen an uns vorbei läuft, gibt mir Pat mit seinem Knie ein Klopfzeichen. - „Nehmt euch in Acht vor Drogen. Ich habe die Gefängnisse hier gesehen, man schläft auf dem Boden; wenn man Beziehungen hat, schafft man es vielleicht zu einem Bett. Glaubt mir, da wollt ihr nicht hin, also Finger weg von Drogen.“ - Ich spüre wieder dieses Klopfen an meinem Knie. - „Achtet darauf, dass es dort fließend Wasser gibt, wo ihr essen geht, dann kann nichts passieren. Eiswürfel sind kein Problem, aber verzichtet auf klein geschlagenes Eis, dieses stammt von Eisblöcken, die quer durch die Straßen getragen werden.“ - Ich antworte Pat mit einen Tritt unter dem Tisch. - „Sind das käufliche Frauen?“, wollten wir wissen, schon wieder stehen zwei neue Bier vor uns. Er sagt: „ Aus der Toilette kommen sie und dort gehen sie auch wieder hin, wenn ihr wisst was ich meine..“ Ich nicke, habe leider diesen Satz nicht verstanden und schaue Pat fragend an. Jonas rät uns in Nordthailand einen fahrbaren Untersatz zu besorgen, er erzählt von einem beeindruckenden Tempel in den Bergen und von seinen Manövern dort. Es ist angenehm ihm zuzuhören, er kann gut erzählen, ohne schlaue Fragen von uns zu erwarten. Er erzählt einfach, seine geschwollenen Augen schauen mich neutral an, ohne weh zu tun und auch ohne Scheu. „Bist du verheiratet?“, frage ich. Er sagt nur “Verliebe dich oft, verlob dich selten, doch heirate nie!“. Er schweift aus und ist wieder bei den Bardamen und ich denke schon wieder über diesen Satz nach, der vor Minuten gefallen war und schaue nachdenklich auf die Toiletten. „Die Frauen sind nicht zum Heiraten, außerdem können sie nicht mal kochen, englisch sprechen und treu sein können sie auch nicht. Kommt nicht auf die Idee den Messias zu spielen, ihr könnt hier nichts verändern. Viele Männer weinten sich schon bei mir aus.“ - unsere Knie schlagen aneinander - „Anfangs sagen sie alle, bei mir ist es anderes, doch am Ende sitzen sie weinend bei mir.“ Sein Gesicht verformt sich bei dem letzten Satz zu einer ironischen Fratze. „Als Ausländer hast du null Rechte hier. Wenn du ein Haus baust, welches übrigens schief und nicht perfekt sein wird, wie wir es gewohnt sind und mit deiner Thai Frau hier wohnen willst, kann es passieren, dass sobald du mal kurz nach Deutschland zurückfährst, dein Thai-Haus plötzlich weg ist, deine Frau mit ihrem wirklichen Thaimann drin lebt und du nichts dagegen tun kannst.“ Alles klingt fremd in meinen Ohren, eine fremde Welt.

Es gesellt sich ein weiterer Deutscher – Steffen - zu uns, ein Maschinenbauer, der auch schon eine Weile hier rumhängt. Neues Bier, ich kann nicht mehr. Meine Knie tun auch schon weh von Pats Tritten. Sie warnen uns, falls wir mal nach Patpong, dem Rotlichtviertel wollen, niemals in eines der oberen Stockwerke zu gehen um eine Show zu sehen, dort wird man nur abgezockt.
Viele Weisheiten hörten wir an diesem Abend, die uns durch unsere ganze Reise begleiteten, deswegen der heilige Jonas. Als wir betrunken genug waren, sind wir bereit für den nächsten Level. Zu viert verlassen wir das Lokal, die Frauen rufen wieder nach uns, der alte Jonas strahlt etwas Sicheres aus, die Leute haben Respekt vor ihm, sehen das er kein Tourist ist, den sie abzocken können. Wie in einer Bugwelle schwimmen wir ihm hinterher, durch die pulsierenden Massen.  
 

Nana Plaza, Bangkok Nachtleben  nächster Level
Es ist eine herrliche Nacht, wir gelangen rasch zum Nana Plaza, ein schillerndes Barviertel in der Sukhumvit Soi 4. Eine Sackgasse, ein Hof, umzäunt von dreistöckigen Etagen, von den man nach unten schauen kann. Auf jeder Etage und überall wo man hinsieht sind Gogo-Bars. Die Durchgänge sind mit einem Vorhang geschmückt, vor den Bars stehen Frauen, die dich motivieren sollen einzutreten und beim Vorbeigehen die Vorhänge zur Seite ziehen, um dich hinein auf die Tanzfläche blicken zu lassen. Jonas und Steffen führen uns ins Rainbow I, entschieden und bestimmend organisiert Jonas uns Plätze ganz vorne, gleich an der Tanzfläche, an die Jonas schon fast gelangweilt Platz nimmt. Uns dagegen fallen die Augen raus, wenige cm vor unserem Gesicht tanzen, stehen, schaukeln jung aussehende Thaimädchen, nur mit Slip bekleidet. Hätte nie gedacht, ein Thaimädchen so fast nackt einmal zu sehen. Und es waren so viele, die sich an den Stangen festhielten, als ob sie nicht von der überfüllten Tanzfläche fallen wollten. Die GogoBar ist ziemlich klein, dunkel und voll.
Wir genießen das Bier, Jonas zahlt wieder. Unsere Stimmung ist ernorm, ich frage Jonas alle möglichen Sachen, an die ich mich nun nicht mehr erinnern kann und klammere mich dabei am Stuhl fest, damit ich nicht umfalle. Eine halbnackte Bardame kommt zu Pat und mir herüber, redet mit uns, massiert unseren Rücken, neckt uns. Irgendwie ist es mir unangenehm, was will sie nur von uns, aber andererseits fühle ich mich gut. Ich bekomme das Zeichen von Steffen, dass wir einen Platzwechsel machen, eine Bar weitergehen. Diesmal das G-Spot im 1 Stock. Im Gegensatz zur ersten Gogo-Bar ist es hier viel größer, es kam mir vor als wären wir die einzigen Gäste, könnte aber auch an meinem Tunnelblick liegen, verursacht durch die 8 oder mehr Bier. Wir nehmen an einer Sitzecke Platz, ich unterhalte mich mit Steffen und bin fasziniert von dieser fremden Welt. „Wenn du eine mitnehmen willst, muss du 500 Baht der Bar bezahlen und dann noch mal je nach Verhandlung 1000-2000 Baht für das Mädchen, sie wird die ganze Nacht bleiben und den nächsten Tag, sie loszuwerden kann schwierig werden. Sie sind sehr anhänglich.“ „Wir haben nicht vor Sex zu haben.“ erkläre ich ihm. Ich sehe zu Pat, der gerade, als ob das seine Stamm Gogo-Bar wäre, ein Mädchen zu sich winkt und mit ihr redet, ihre Hand streichelt. „Ich war auch so zurückhaltend, als ich zum ersten Mal nach Bangkok kam.“ zwinkert Steffen mir zu. Ich mag es, den Frauen beim Tanzen zuzusehen und die eine, sie hat einen so schönen Busen und sie winkt und lächelt Jonas an, der unbeeindruckt und gelassen geradeaus schaut. Was hat er bloß, was ich nicht habe, denke ich mir, als sie von der Tanzfläche kommt und ihm beim Vorbeigehen ein Bussy auf die Backe gibt.

Schon wieder ist das Bier leer. Wir verlassen die Bar. Jonas verabschiedet sich, muss morgen früh raus. Steffen erzählt, wie es früher einmal war, als die Mädchen noch ganz nackt tanzen durften und als es noch keine Sperrstunde gab. Wir machen uns auf zum Nana Hotel, dort ist eine Disko namens „Angels“ (www.nanadisco.de). Der Eintritt kostet 160 Baht, inklusive Freigetränk. Es ertönt Techno-Dance-Musik. Es sind nur Frauen hier und wir sind gut drauf. Steffen erzählt mir, dass in dem Laden alle käuflich sind, sogar die Bedienungen. Ich glaube es ihm nicht. Ein „Paradies“. In meinem Rauschzustand wirkt das alles so perfekt, so unkompliziert, so einfach, so bedenkenlos. Mädchen setzen sich mir auf den Schoß und küssen mich. Pat spricht eine Hübsche an, mit langen schwarzen Haaren und Mittelscheitel, sie erinnert mich an eine Indianerin. Sie sagt zu ihm: „Du kannst mich küssen, nur nicht hier, zu Hause.“. Er weiß nichts mit der Aussage anzufangen. „Wie meint sie das?“ - „Will sie Geld haben?“ - „Findet sie mich nett?“ Steffen verlässt uns auch, wir bedanken uns bei ihm für all die Informationen und können ihn nicht zu einem neuen Bier überreden. Schon bald ist es 2 Uhr, die Sperrstunde, dass Licht geht an, wir verlassen das Gebäude. Draußen vermute ich Stille, müde Gesichter, alles drängt nach Hause, nein, so ist es nicht. Hunderte von Frauen sitzen vor der Disko, rufen uns zu, sie wollen uns. „Sind das alles Prostituierte?“, fragen wir uns ständig gegenseitig. Wir setzen uns auf einen Randstein um das Schauspiel etwas zu beobachten. Es gibt eindeutig viel mehr Frauen als Männer hier. Manche Frauen fragen uns, ob wir mit in eine andere Disko gehen, die sich nicht an die Sperrstunde hält. Wir bleiben sitzen. Ein süßes Mädchen lächelt Pat an und sagt: „Do you want to make bum bum?“, mit so einem lieben Gesichtsausdruck, dass Pat noch tagelang von ihr träumt. Irgendwann flüchten wir vor Sexangeboten, manche halten sich sogar an uns fest. Im Taxi finden wir Ruhe und fahren zurück zur Khao San Road.
Oh what a night!  
 

Klong Tour- die wahrscheinlich flüssigste Kloake der Welt
Ein Taxi bringt uns für 40 Baht zur „the Chang“ Anlegestelle am Chao Phraya River, der fette Fluss Bangkoks, der so breit ist wie der Rhein und wie wildes Abwaschwasser wirkt, wie es dreckig entgegen des Abflusses strömt. Große Schiffe, kleine Boote, Frachter, alles bewegt sich auf dem Fluss. Wir versuchen ein Ticket für eine Klong Tour zu erkämpfen, viele rufen uns zu, alle bieten uns ein und dieselbe Tour an, mit unterschiedlichen Preisen. Es gibt eine kleine, mittlere und eine große Tour. Die Preise fangen so bei 400 Baht für die kleine Tour an. Wir können jedoch auf 200 Baht runterhandeln und fühlen uns toll, nur der Druck den die Ticketverkäuferin auf uns ausübt macht skeptisch. Wir dürfen nicht mal was zu trinken kaufen, werden gleich zum Steg geführt, auf eine Plattform. Ein längliches schmales und flaches Boot, mit dickem LKW-Motor als Antrieb wartet auf uns. Es schaukelt und bewegt sich in alle Richtungen, wir klettern ungeschickt auf das Boot, fallen jedoch nicht ins Wasser, setzen uns nebeneinander, die anderen Plätze bleiben leer. Der Steuermann parkt aus. Auf dem Fluss ist viel Betrieb, alles spritzt und plätschert. Mit großer Mühe können wir unser Frühstück behalten, denn wir sind von der letzten Nacht mit Jonas noch immer betrunken, haben lange geschlafen und sind nun später auf dem Fluss als wir wollten. Wir überqueren den Fluss und sind schon an der ersten Sensation - der Tempel Wat Arun. Der Steuermann gibt uns hektische Winkzeichen und sagt „ten minutes“. Wir verlassen das schaukelnde Boot und befürchten unseren Steuermann nie wieder zu sehen, nun will man von uns 20 Baht Anlegegebühren.
Wir gehen die Treppe hoch, an den Souvenirständen vorbei und müssen nun 20 Baht Eintritt bezahlen. Wir sehen einen großen grauen Tempel aus Stein, viel primitiver als die im Grand Palace, ein anderer Baustil. Den hohen Turm dürfen wir nicht ersteigen, schon seit Jahren ist der Zugang nicht mehr gestattet, so umkreisen wir den Tempel einmal, drücken auf den Auslöser der Canon EOS 500N und denken stets an die 10 Minuten Zeit, die wir haben. Wir verlassen das Gelände, wieder Souvenirstände und Verkäuferinnen, die uns hinterher rufen. Ungeachtet dessen, laufen wir zügig zum Steg. Unser Boot ist da und wartet schon, es geht weiter. Nun geht’s vom Chao Phraya River in einen Seitenfluss, der eigentliche Klong. Wir fühlen uns ein wenig wie in Venedig, lassen uns chauffieren und reden über den vergangenen Abend. Es wird mir erstmals richtig bewusst, wie sind wirklich in Thailand.
In dem Seitenarm ist das Wasser ruhiger und noch dreckiger. Falls einer der unzähligen Tropfen, die ins Boot spritzen, mich treffen sollten, sterbe ich wahrscheinlich, also halte ich mein „Schweißtuch“ über den Mund.
( Foto ) Die Häuser am Ufer sehen sehr ärmlich aus, es sind kaum Menschen zu sehen, hier und da liegen Hunde im Schatten und stellen sich vor, wie es wohl wäre, wenn sie diesen üblen Gestank nicht ständig in ihrer Nase hätten. Vom schwimmendem Markt ist nichts zu sehen, ach doch, da eine Frau mit Hut paddelt uns mit ihrem Boot an, hält sich einen Augenblick an unserem fest, um uns die üblichen Souvenirs anzubieten, nur teuerer.
Manchmal sehen wir hinter all dem Müll, den Reifen und zusammengefallenen Häusern auch richtig schöne Villen. Die giftigen Wellen schwappen fast ins flache Boot, aber wir haben ein gutes Gespräch. Fragen uns gegenseitig zum ersten Mal: „Würdest du für Sex bezahlen?“. „Hier scheint es so normal zu sein und die Frauen bleiben für die ganze Nacht und den nächsten Tag, wenn du es so willst.“ „Sie sehen alle so süß und jung aus, gar nicht wie bei uns die Prostituierten mit ihren Leggins und Stiefeln, womöglich noch drogenabhängig.“ „Aber denke an Aids, 77% laut Lonely Planet.“ „Wie wahrscheinlich ist es wohl, dass ein Kondom reißt? Also mir ist es noch nie passiert.“ „Mir schon, man merkt plötzlich voll den Unterschied, fühlt sich viel besser an ohne.“ „O.k., also sagen wir 10%. Der Mann steckt sich unverhütet nicht so einfach wie eine Frau an, ich schätze mal die Wahrscheinlichkeit ist höchstens 50 %.“ „Das macht insgesamt eine Wahrscheinlichkeit von 77*10*50=3,5%, mhh, das geht eigentlich“ „Ja, aber ich finde es total unromantisch. Ich glaube der Gedanke, dass sie schon 1000 Männer von der ekligsten Sorte, dick, Glatze und betrunken Sex hatte, turnt mich total ab.“ „Sex ohne Liebe macht nicht glücklich, sie soll mich toll finden und nicht nur mein Geld wollen, also lassen wir die Finger davon.“ Wir waren uns einig.
Also vom schwimmenden Markt ist immer noch nichts zu sehen, wir hätten doch früher aufstehen sollen. Unser Kapitän wirft uns manchmal einen fragenden Blick zu „Soll ich hier anhalten?“. Bis wir reagieren, ist eine Sehenswürdigkeit dahin, ein Fisch Markt, der sehr verlassen aussieht. Nun wieder dieser fragende Blick des Steuermanns, wir sind an den Royal Barges „expensive 100 Baht“ sagt er. Wir merken, dass er etwas verärgert ist, weil wir hier halten wollen, er hätte uns nur zu gern schon wieder los. -„ten minutes“- ruft er hinterher.
Die Royal Barges kosten 20 Baht Eintritt, wer fotografieren möchte zahlt 100 Baht. Hier sind lange Boote, verziert mit Gold wie die Tempel und geschmückt mit stolzen Figuren. Die Boote zeigen sich einmal im Jahr zu Ehren des Königs auf dem Fluss bei einem großen Fest. Zurück in unserem Boot, sind wir nun auf unserer letzten Etappe. Er gibt Gas und das Boot hüpft, grob wie Kleinkinderhände die in Matsch planschen, auf der braunen Flüssigkeit wenige cm unter uns.
Zurück am Champ Steg, gehen wir in einem gemütlichen Lokal essen und mir fällt zum ersten Mal auf, dass Thailänder ja gar nicht mit Stäbchen essen.

Fazit:
Wer den wirklichen schwimmenden Markt sehen will, sollte das weiter außerhalb machen, wo genau weiß ich auch nicht. Hier werden nur Souvenirs verkauft.
Die Tour ist ein teures Vergnügen. Eintritt und Anlegegebühren sind nicht inklusive der 200 Baht / Person, die wir zahlten. Außerdem, früh aufstehen!  
 

Patpong - nichts ist umsonst nicht mal "Free Shows"
Es ist Nacht. Ein Taxi fährt uns durch die von Taxis verstopften Straßen in das wohl bekannteste Rotlichtviertel der Welt, nach Patpong für 80 Baht.
Patpong befindet sich am Anfang der Silom Road, in den Querstraßen Soi 3, Soi 4 und Soi 5. Ein McDonald kann in der Touristenattraktion natürlich nicht fehlen. Wir lieben McDonald, welch köstliche Abwechslung von den kleinen Reisportionen, endlich wieder Fett, French Fries und FastFood. Gestärkt schlendern wir durch diesen großen Nachtmarkt, von einem düsteren Rotlichtviertel nicht die Spur. Es gibt Stände mit Uhren, T-Shirts, Schuhe u.s.w. an denen Frauen, Männer und Familien einkaufen. ( Foto ) Die Querstraßen sind zugestellt, einmal links ausweichen, dann wieder warten, weil mir ein alter Mann den Weg versperrt, während er um ein Schweizer Klappmesser handelt oder war es der Feldstecher dort und schon wieder bücken, ich bin einfach zu groß für dieses Land. Rechts und links an den Straßen sind die Gogo-Bars, viele von der sogenannten „KingsGroup“ eine renommierte und oft empfohlene Barkette. Die Bars haben Namen wie „KingCastle“,“ Rose Bar“,“Pussy Galore“, „Queens Castle“,“ Super Pussys Bar“, „Gold Finger“ usw.. Schaut man einmal nicht zu Boden, sondern umblickt die Umgebung wird man mit Zurufen bombardiert, „Hello Sir! Come on! Have a look! Free ! Happy Hour! Draught Beer 80 Baht. Nice Ladies!“. Das kann einen schon nerven. Dann sind da noch kleine Figuren unterwegs, die einem ständig penetrant nachlaufen und fragen, ob man nicht eine PingPong-Show sehen will und dir einen Zettel unter die Nase halten mit der Überschrift „FREE“ und folgend einer Auflistung von seltsam klingenden Shows, wie Bananna-Show, Razorblade-Show oder Smoke-Show. Was das für Shows sind überlasse ich dir. Ich kann nur aus meinen peinlichen Phantasien, in tiefst düsteren Ecken meines Hirns in der Abteilungen für primitive Angelegenheiten erahnen, was das für Shows sind. Übrigens der einzige Bereich in meiner Gehirn der funktioniert.

Wir lassen uns doch motivieren in eine Gogo-Bar zu gehen und betreten durch den Vorhang, der uns geöffnet wurde, den kleinen Raum. Eine „Kellnerin“ nimmt uns in Empfang, führt uns zu einem Tisch, während Hände nach uns greifen und Münder nach uns rufen. Die roten samtigen Polster unserer Sitzecke sinken angenehm nachgiebig unter unserem Gewicht. „Two Singha!“ bestellen wir. Eins kostet 80 Baht. Meine Augen sind verwirrt, so viele Menschen. Mädchen tragen ihre Arbeitskleidung: weiße Wäsche, weiße Strümpfe und Stiefel dazu. Ich höre die Musik nicht, achte nicht darauf, genau so wenig wie die Mädchen, eigentlich sind es Frauen, sie sehen nur so jung aus, die an den Stangen auf der Tanzfläche in Raummitte hin und her wippen. Sie machen gelangweilte Gesichter, fühlen sich bestimmt wie Massenware bei ALDI, die im Überfluss schlampig auf Ramschtischen herum liegt und jedes Mal mehr Ware liegen bleibt, als mitgenommen wird. Links an der Sitzecke neben uns sitzt ein dicker Mann um die 45, er hat auf seinen Beinen je eine im String bekleidete Frau sitzen und bohrt unter diesem letzten Kleidungsstück nach..., ich weiß nicht, nach Wärme und Liebe? Bevor wir weiter glotzen und lästern und uns einbilden anders zu sein, bekommen wir schon Gesellschaft, die uns unseren Aufenthalt versüßen sollen, jedoch ist mir das eher unangenehm, genauso wie ihre kreisende Hand auf meinem Schenkel. Sie trägt das, was alle tragen, ihr Gesicht sieht verbraucht aus, sie gibt sich Mühe mir ihr bestes Zwangslächeln entgegenzubringen, ihr Bauch drückt sich über ihre Strapsen, sie sieht älter aus. „How old are you?“ frage ich sie. –“What do you think?” höflicherweise schätze ich ihr Alter mit der niedrigsten Zahl, die mir gerade einfällt: „twentytwo?“ - „Yes“, nickt sie mir mit einem leicht verkrampften Lächeln zu.
Pat führt ein ähnlich sinnloses Gespräch und hält sich an seinem Bier fest.
Ich werde gefragt: „Do you pay 400 Baht for Bar and 2000 Baht for me?”-“No, sorry I don´t want sex.”-“Why?”-“I only want to drink a beer”-“Pleeease, I need Money, don´t have! Please..”
Wir lassen uns überreden einen Drink (von dem sie übrigens 30-40% erhalten) zu spendieren und geben eine Cola aus. Ohne ihrer Cola eine größere Beachtung zu schenken, verlassen sie uns auch gleich wieder mit dem Vorwand „must dance!“. Nun haben wir unsere Ruhe, können unser Bier aber doch nicht genießen, stehen auf und werden plötzlich von der „Kellnerin“ aufgehalten, die uns keine Sekunde aus den Augen gelassen hatte, - upps - wir haben fast das Zahlen vergessen. Genervt und enttäuscht sind wir wieder auf der Straße unter den Einkaufswütigen und schon wieder hören wir „Free PingPong Show“ von unserem alten Freund, der uns schon 235 mal zuvor fragte. Gut, wir lassen uns überreden und folgen ihm zur „Super Pussy“, eine Bar im 2.Stock. Uns fällt ein wie Jonas uns vor Betrüger-Bars im 2.Stock warnte, aber was ist schon ein Urlaub ohne Abenteuer. Vorsichtig nähern wir uns Stufe für Stufe den Vorhang, es sind keine brutalen Türsteher zu sehen, die mir den Ausgang verweigern könnten, das beruhigt mich. Wie immer, werden wir zu einem Platz geführt. Wie immer bestellen wir zwei vom billigen Singha-Bier(100Baht). Fünf sehr unattraktive Damen tanzen wenige Meter vor unseren Augen. Von Show ist nichts zu sehen, eigentlich sehe ich nicht mal eine Bühne. Unser Bier kommt, wir trinken etwas. Ich frage die Dame hinter uns, wo die Show sei und sie zeigt auf die fünf Damen. Gerade als ich erkenne, dass eine von ihnen etwas aus sich herauszaubert, was alles andere als erotisch ist, kommt unsere Rechnung, inklusive 100 Baht für die Show. „Never ever“ sage ich, stehe auf, so groß ich kann, werfe Schatten auf die gesamte Ansammlung der Damen hinter uns, vor uns wird weiter getanzt.
Ich spüre massierende Hände an meinen Schultern, sehe wie Pat ebenso massiert wird. Ich wehre mich. „No, they said the show is for free. We won´t pay for the show.” Die Hände machen mich nervös, ich werde zornig, sage ihr aufzuhören. „We´ll pay for the beer”- „But you are looking at the show!”- „Never ever” -” You have to go“-”Yes we go.” Wir gehen, aber nicht ohne unser bezahltes Bier zu trinken. Wir schauen uns an. Unerschrocken und mutig, ohne Blick auf die Show, setzen wir zum Ex-trinken an, synchron wie balletttanzende sterbende Schwäne. Das kalte Bier fließt in unsere Kehle, wie das Benzin beim Tanken und unsere Bäuche blähen sich wie Kugelfische. Ich fühle mich wie beim Sangria trinken auf dem Ballermann und bin stolz Deutscher zu sein. (Nun wird es an der Zeit, dir Leser einmal zu sagen, mich auf keinen Fall zu ernst zu nehmen. OK?)
Wir verlassen den Laden und irgendwie tut es mir leid, so geschimpft zu haben. Pat sagt „Das massieren war gar nicht so schlecht.“ Unser „Free Show“ brüllender Freund am Ausgang ignoriert uns nun.

Wir sitzen auf dem Bürgersteig, wie wir es oft tun, rauchen und trinken RedBull, das für 10 Baht beim „seven eleven“ erhältlich ist und sind etwas enttäuscht, wissen gar nicht, was wir nun tun wollen, entscheiden uns schließlich, noch in den „Music Club“ zu gehen.

Genervt betreten wir diese Disko mit Live Musik, auch hier wieder viele käufliche Frauen.

Fazit:
Der Markt, einige Diskos und der McDonald natürlich sind OK, wer mal in eine Gogo Bar gehen will, sollte zum Nana Plaza gehen, dort gibt es nicht so viele Touristen und Schlepper, die dich übers Ohr hauen wollen.
 

zurück weiter